Die Bergsportverbände Sachsens, die 14.000 organisierte Wanderer und Bergsteiger vertreten, lehnen das Wanderwegekonzept der Nationalparkverwaltung ab.
Wie bis dahin noch unbekannt, basiert das Konzept auf dem Ziel des Erreichens der internationalen Nationalpark-Kategorie (IUCN) II mit perspektivisch über 75% Kernzone. Im Ergebnis der schrittweisen Ausdehnung der Kernzone von heute 23% auf über 75% der Nationalparkfläche werden weitere massive Sperrungen in den nächsten Jahren befürchtet.
Der "Nationalpark Sächsische Schweiz" hätte, so das Konzept der Verwaltung aus Königstein, viel zu hohe Werte an lfm (laufenden Metern) Wanderwegen pro ha, verglichen mit anderen Nationalparks wie Berchtesgaden, Wattenmeer oder Müritz. Ein solcher Vergleich ist sicherlich statistisch interessant, aber als Begründung für Sperrungen unwissenschaftlich und unseriös. Die Verbände widersprechen deshalb der mehrfach wiederholten Aussage des Leiters der Verwaltung, Dr. Stein, die Sächsische Schweiz weise eine "krasse Übererschließung mit Wanderwegen auf".
Das Rotwild als Ursache für notwendige Wanderwegesperrungen heranzuziehen, wird bezweifelt, weil es sich trotz der Wanderer so gut entwickelt hat, daß es 1998 zu massiven Abschüssen durch die Nationalpark- und Forstbehörde kam, wogegen einheimische Jäger protestierten.
Die Bergsportverbände Sachsens begrüßen einen Nationalpark in den Farben Sachsens mit Berücksichtigung des historisch gewachsenen Tourismus nach dem Motto: "Ein Nationalpark zum Anfassen!".
Die Bergsportverbände unterstützen den Naturschutz und akzeptieren seit Jahren freiwillig Einschränkungen, z.B. Gipfelsperrungen während der Wanderfalkenbrutzeit. Auch auf etwa 20 Wanderwege und -pfade verzichtete man bisher z.B. im Großen Zschand, die seit 1991 renaturiert oder gesperrt wurden, z.B. Jortan, Meilerschlüchte oder Auerhahnsteig.
Den nunmehr weiteren, geplanten Wanderwegesperrungen im hinteren Nationalparkteil mit der Begründung der allgemeinen Ruhigstellung können die Verbände aber überwiegend nicht zustimmen. Mit der Renaturierung z.B. des Grenzweges, des Ziegengrundes oder vieler Wege im Kleinen Zschand ist die Schmerzgrenze überschritten. Bei einigen Wegen hat man bereits vollendete Tatsachen geschaffen, z.B. mit der Entfernung der Brücke im Ziegengrund, der zum Luchsstein führt, oder mit der sog. Renaturierung der Zschandstraße.
Grundsätzlich sollten alle Stiegen einschließlich Ihrer Zu- und Abgänge erhalten werden.
Den im Konzept vorgesehenen geringen Einschränkungen im vorderen Nationalparkteil (Rathen, Brandgebiet) kann zugestimmt werden.
Sächsischer Bergsteigerbund (SBB), Sektion des Deutschen Alpenvereins Sächsischer Wandersport- und Bergsteigerverband (SWBV) Touristenverein "Die Naturfreunde" Bergwacht Sachsen des DRK Akademische Sektion Dresden (ASD) des Deutschen Alpenvereins Dresden, den 11. November 1998
Am 26. November 98 wollen sich die Vertreter von Bergsportverbänden, Naturschutzverbänden und Umweltbehörden im "Arbeitskreis Bergsport und Naturschutz" zu einer Diskussionsrunde treffen.