Alternatives Wegekonzept - ausgewählte Punkte

Auszüge aus der Stellungnahme zum Wegekonzept für den Nationalpark durch den "Bund Sächsische Schweiz" / alternatives Konzept

Vorbemerkung:

Ich habe das Konzept unverändert auf einer gesonderten Seite untergebracht. Ich habe es direkt von der Originalvorlage in HTML konvertiert, nur die Hervorhebungen mußte ich hier und da etwas modifizieren. Weil das Konzept aber recht lang und schwierig zu lesen ist (das bedeutet keinesfall einen Abstrich an seiner Qualität!), folgen hier einige, natürlich subjektiv ausgewählte Punkte daraus. Erläuterungen von mir stehen in eckigen Klammern.

Der geistige Vater des Konzepts, Peter Hildebrand, ist nicht per E-Mail erreichbar. Ihr könnt ihm aber schreiben:

Bund Sächsische Schweiz
D - O1796 Pirna, Hohe Str. 63
Tel./Fax (03501) 781648

Auf jeden Fall ist bemerkenswert, was ein "richtiger" Naturschützer zu diesem Thema sagt. Übrigens vertreten auch andere Naturschutzverbände in etwa unsere Meinung eines "gemäßigten" Schutzes (also ohne den Menschen "hinauszuschützen"), wie etwa die Grüne Liga oder der Landesverband Sächsischer Heimatschutz (LSH). Eine Ausnahme war bisher nur die "Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz", in der Vertreter der NPV allerdings Mitglied sind und die über das Wegekonzept offensichtlich ungenügend informiert wurden.


... Gleichwohl ist eine Wegekonzeption möglich, die konfliktärmer ist, mit der der Schutz sowohl des NP als auch der ganzen Sächsischen Schweiz verbessert werden kann und die zugleich ein Beitrag zur nachhaltige Entwicklung der NPR ist, ohne daß dies im Widerspruch zur NPVO und zum NPP steht (Teil II).

Das Wegekonzept sollte Bestandteil einer Schutz- und Nutzungskonzeption für die Sächsische Schweiz sein. Das Fehlen einer solchen Gesamtkonzeption ... erweist sich auch bei der Wanderwegediskussion als Mangel.

Kritisch zu sehen ist auch, daß [Pläne] ... für Teilbereiche ... zusammengeführt werden sollen, ohne daß man sich vorher hinreichend über generelle Grundsätze und Leitlinien ... [und deren] Beziehung zur übrigen Sächsischen Schweiz verständigt hat; schon die unterschiedlichen Vorstellungen von Naturschutz und von der Strategie seiner Durchsetzung sowie von solchen Begriffen wie Erholung wären genug Anlaß dafür gewesen.

So erscheint der Entwurf des Wegekonzeptes der NPV unausgegoren, ohne einsichtige naturschutzfachliche Begründung ...

Die kritisierte Vorgehensweise ... führt auch, wie man sieht, zu fragwürdigen inhaltlichen Schlußfolgerungen und zu Ergebnissen ... [die mehrdeutig und] in manchem sogar kontraproduktiv sind.

Dies zeigt sich zum Beispiel in

Damit [wird] suggeriert, daß solche Ziele in anderen Landschaften, Landschaftsteilen oder Schutzgebieten, also auch in dem größeren Teil der Sächsischen Schweiz, nicht oder weit weniger zu gelten haben oder nicht so sehr anstrebenswert sind!

Solcherart Naturschutz-Denken (das leider auch immer noch von zahlreichen Naturschützern praktiziert wird) ist aber angesichts unserer Rest-Naturressourcen längst nicht mehr im erforderlichen Maße problemlösend. ... Es dient vor allem der Ideologie eines musealen bzw. eines Exklusiv-Naturschutzes, und das mit verhängnisvollen Folgen.

Der juristische Akt der Herauslösung zweier Nationalparkteile aus der Sächsischen Schweiz ... war und bleibt für die Sächsische Schweiz widernatürlich, er hatte und hat eine antiökologische Komponente. "Dem alten Kerngedanken des Schutzes der Gesamtlandschaft ... - aktueller als je zuvor - ist die gesetzliche Grundlage genommen. ..... Daß die Sächsische Schweiz auch Wildnisteile, Urwaldstücke enthalten sollte - und sie enthielt sie ja - war nicht im Entferntesten als die Krone des Schutzes gedacht, sondern diese kam dem Schutz der Gesamtlandschaft zu. Es ist Tatsachenverdrehung, wenn zuweilen behauptet wird, mit der Ausweisung eines Nationalparkes in zwei rechtselbischen Gebietsteilen der Sächsischen Schweiz sei ein langer Traum in Erfüllung gegangen - der Traum wurde anders geträumt - als Schutz der Gesamtlandschaft, nicht in Form der Verengung der Sicht auf einen Teilaspekt. Es ging um einen "gesteigerten Landschaftsschutz".

...
So wird am Beispiel des Wegekonzeptes deutlich,

Selbstverständlich muß - angesichts der ökologischen Situation in unserem Land und auf der ganzen Erde - Natur nicht nur im Nationalpark um ihrer selbst willen geschützt werden, wenn der Mensch seiner Daseinsverantwortung gerecht werden will! Und es muß Naturschutz über die Schutzgebiete hinaus wesentlich konsequenter betrieben werden, wenn alles Lebendige und damit auch der homo oeconomicus eine lebenswerte Zukunft haben soll!

Selbstverständlich ist im Gesamtgebiet der Sächsischen Schweiz Erholungsnutzung dem Schutzzweck unterzuordnen, und selbstverständlich ist im Gesamtgebiet durch geeignete Verkehrs- und Besucherlenkung der Ruhecharakter stärker auszuprägen, wenn man das Spezifikum Sächsische Schweiz erhalten will (was im übrigen auch für die wirtschaftliche Grundlage vieler hier lebenden Menschen nachhaltig zum Vorteil wäre)!

...

3. Daß Erholung in erster Linie "Begegnung und Erfahrung mit ungelenkter Natur beeinhalten" soll (NP-Wegekonz. 2.1), ist in mehrfacher Hinsicht fragwürdig und in dieser Pauschalisierung im vorliegenden Fall ohne Realitätsbezug.

Erstens ist wirkliche Erholung ein komplexes Phänomen und geschieht nach noch viel anderen Gesichtspunkten als dem genannten ... Zweitens ist die Natur im NP gar nicht "ungelenkt", sondern mit der beabsichtigten "nationalparkkonformen Entwicklung" (NPP 5.) wird der Besucher des NP die Lenkung zunehmend spüren, und der Besuch des NP wird immer mehr den Charakter eines Museumsbesuches annehmen. Und so kann drittens der NP seinem Erholungsauftrag (NPVO 3 Ziff. 3) wohl kaum gerecht werden, wenn man wirkliche Erholung zur Definitionsgrundlage macht.

In diesem Zusammenhang ist auch zu fragen, wie die 476,6 km (in Schutzzone I 175,6 km) "sonstige nicht gekennzeichnete Wege und Pfade mit geringer bzw. ohne touristische Bedeutung" (NP-Wegekonz. 2.2 u. 6.1.3) einzuschätzen sind: Vielleicht sind diese Wege wichtig für wirklich Erholungssuchende?

Der Natur und dem Ziel eines naturschutzdienlichen Verhaltens der Menschen ist jedenfalls mehr geholfen, wenn sich herumspricht, daß Natur überall in der Sächsischen Schweiz an erster Stelle steht und daß erst dadurch die Bedingung für Erholung gegeben ist ...

4. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist nicht zu erkennen, daß die beiden Nationalparkteile durch "nationalparkkonforme Entwicklung" einen wesentlich besseren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können als mit den bisherigen, durchaus verbesserungsfähigen Methoden.

Dazu kommt, daß "die ungestörte Entwicklung natürlicher und naturnaher Lebensgemeinschaften" (Schutzziel in Schutzzone I gemäß NPVO 5 Abs. 1 Ziff. 1) auch unabhängig von der touristischen Nutzung gar nicht möglich ist, wofür die Ursachen in der Kleinheit und der geographischen Lage der beiden NP-Teile zu sehen sind. Insbesondere wegen der relativ leichten Einwanderung von Tieren und Pflanzen, wegen der umliegenden Offenländer, die als Nahrungshabitate dienen, wodurch die Nachwuchsraten der Tiere von außen mit beeinflußt werden, und wegen der ebenso anthropogen verursachten Luftschadstoffbelastung ist ein permanentes Störpotential vorhanden. Darin zeigt sich das Dilemma des NP.

Das eigentliche hier zu diskutierende Problem sind demzufolge nicht "die Intensität der Wegeerschließung im NP und die dadurch zu verzeichnenden Störungen" sondern a) die Frage nach der tatsächlichen Gefährdung des Schutzzweckes des NP bzw. nach dem Gefahrenspotential, wozu auch ein seriöser Gebrauch der Besucherzahlen des NP gehört und b) die Angemessenheit der Bewältigungsstrategie, siehe Teil II.

Alle verfügbaren Erkenntnisse sprechen dafür, daß für die wünschenswerten Ziele des Artenschutzes [und andere] ... eine aktive Beeinträchtigung des Wegenetzes (aktive Renaturierung) nicht erforderlich ist. Von Ausnahmen abgesehen, gibt es bei den Vögeln und Säugetieren, einen erstaunlichen Gewöhnungeffekt in bezug auf den Menschen, soweit er sich als Wanderer 'normal' verhält, was sich durch zahllose Beobachtungen belegen läßt. Und hinsichtlich der übrigen Tiere und der Pflanzen kann wohl kaum guten Fachgewissens behauptet werden, daß sie durch gelegentliche Begehung der einsameren Pfade Schaden erleiden. Im Gegenteil: Naturkundliche Beobachtungsergebnisse von Wanderern können für den Naturschutz nützlich sein, und vielleicht ist es auch von Vorteil, daß naturwidriges Verhalten - das nie ganz ausgeschlossen werden kann - nicht ungesehen bleibt! "Ein vernünftiger Gebrauch von Naturgütern" soll mit dem Nationalparkkonzept verbunden sein (IUCN-Resolution 1969) - auch damit ist das hier und in Pkt. 5. Vorgebrachte gut vereinbar.

... soll nicht unerwähnt bleiben, daß in dem größeren, nicht zum NP erklärten Teil der Sächsischen Schweiz mancherorts eine höhere ökologische Vielfalt nachweisbar ist als in den beiden Nationalparkteilen, wobei jene Vielfalt durch eine Ausweitung der ökologisch orientierten Land- und Forstwirtschaft und der Bäuerlichen Landschaftspflege noch steigerbar ist. Und offen ist die Frage, ob der Wegfall der wirtschaftlichen Nutzung, also das Sichselbstüberlassen der Natur in den Nationalparkteilen nicht sogar zu einer Verringerung der biologischen Vielfalt führt (die Wahrscheinlichkeit, daß das geschieht, ist jedenfalls hoch).

... Diesen relativ wenig begangenen Wegen wird im Wegekonzept der NPV eine Bedeutung beigemessen, die sie bei kritischem und differenziertem Gebrauch der touristischen Belastungszahlen nicht haben.

5. Die Sächsische Schweiz, also auch die beiden Nationalparkteile stehen in einer unvergleichlich anderen Tradition als Nationalparks in dem Land, aus dem die Idee dazu stammt.

Das Anderssein besteht, wie wohl bekannt, in der persönlichen Identifikation sehr vieler ... Menschen mit der Sächsischen (und Böhmischen) Schweiz ...; eine Identifikation, die seit der Entdeckung der Sächsischen Schweiz über viele Generationen gewachsen ist - vielleicht kann das auch mit dem Begriff Heimat beschrieben werden.

Damit verbunden - auch das ist etwas spezifisches - ist eine Intimkenntnis der Natur und Naturbesonderheiten, aus der immer wieder Motivation und Kräfte für den Schutze dieser Landschaft entstanden sind. Die Streichung von ca. 190 km Wegen - eine Summe, die sich bei der vorgesehenen Ausweitung der Kernzone von derzeit 23 auf 75% noch erhöht - wirkt dem entgegen.

Wenn die Überstülpung der Nationalparkidee und internationalen Nationalparkbürokratie ... dazu führt, daß eine spezielle Verbundenheit der Menschen mit der Sächsischen Schweiz gelockert wird, wenn Intimkenntnis und Schutz hinfort immer mehr dem Staat ... überlassen werden, wenn also eine Art Amerikanisierung der Verhältnisse auch für die Sächsische Schweiz bestimmend wird, dann ist das nicht nur von Schaden für den Naturschutz in der Sächsischen Schweiz, sondern es wird auch darüber hinaus negativ wirken. Es ist eine unverantwortliche Gefährdung des Natur- und Kulturerbes Sächsische Schweiz und der Erholungsfunktion dieser Landschaft, wenn die nicht ganz unberechtigte Schreckensvision Realität gewinnt, daß der Aufenthalt in den beiden Nationalparkteilen den Wert eines Museumsbesuches (mit Monitoring, vgl. NP-Wegekonz. 6.3) bekommt und in der übrigen Sächsischen Schweiz immer mehr ein Kfz- und Allerwelts-Fun-Tourismus Einzug hält.

II. Grundsätze und Leitlinien für ein Wegekonzept NPR LSG Sächsische Schweiz aus naturschutzfachlicher und aus touristischer Sicht

1. Der Geltungsbereich des Wanderwegekonzeptes erstreckt sich auf die gesamte Nationalparkregion LSG Sächsische Schweiz.

Die von Wanderern und Bergsteigern nutzbaren Wege werden eingeteilt in vier Kategorien :

I. markierte Wege;
II. nichtmarkierte Forst-, Landwirtschafts- und andere Privatwege;
III. nichtmarkierte Bergpfade und Steige;
IV. teilweise gekennzeichnete Klettergipfelzugänge.

Aus Sicht der touristischen Nutzung und der Besucherlenkung erfolgt eine Einteilung nach vier Schwierigkeitsgraden:

I. leicht, für jedermann/frau ohne besondere Anforderungen;
II. anspruchsvoll, für Wanderer und Bergsteiger mit angepaßter Ausrüstung und Vorsicht;
III. besonders anspruchsvoll, für geübte Wanderer und Bergsteiger mit Schwindelfreiheit und erhöhter Vorsicht;
IV. Klettergipfelzugänge, für Bergsteiger zur Ausübung des Klettersportes.

Die Einteilung nach Schwierigkeitsgraden dient der informellen Besucherlenkung, soll also keine normative Gestaltung der Wege zur Folge haben.

2. Die Natur als solche und der spezifische Charakter der Sächsischen Schweiz werden in allen Teilen des Gebietes konsequent erhalten und grundsätzlich für jedermann erlebbar bleiben. Keine Umwandlung der Sächsischen Schweiz oder Teilen davon in eine parkähnliche Landschaft.

Insbesondere bei Wegebaumaßnahmen äußerste Zurückhaltung: Verbreiterung, Grundausbau, Stiegen und Geländer nur in ganz seltenen, unbedingt erforderlichen Ausnahmefällen (Negativbeispiel: Breite Kluft, Kl. Winterberg). Keine Papierkörbe und Bänke, keine Toiletten u. ä..

Beibehaltung des traditionell vorbildlichen, für das Gesamtgebiet Sächsische Schweiz einheitlichen Wegemarkierungsstems.

Wiederherstellung von durch landwirtschaftliche Maßnahmen weggefallenen Wanderwegen.

... Deshalb ist Schwerpunktaufgabe der Verantwortungsträger und der Nutzungsträger: Die Wiedereinführung, Praktizierung und Förderung einer dem Gesamtgebiet und seinem Schutzziel dienenden Touristischen Kultur; eine der Spezifik der Sächsischen Schweiz gemäße Zielgruppen-Werbung für den Fremdenverkehr; wirksame Aufklärung über den Mittelgebirgscharakter der Sächsischen Schweiz und die Schutzbedürftigkeit und -würdigkeit des Gesamtgebietes; informelle Besucherlenkung auf allen möglichen Ebenen und unter Einbeziehung der benachbarten Landschaften.

4. In allen sensiblen Bereichen der Sächsischen Schweiz (NP, Gebiet der Steine, Bielatal, Nikolsdorfer Wände, erosionsgefährdete Hänge generell) besteht Wegegebot. Die Begehung der markierten und der nichtmarkierten Wege, der Bergpfade und -steige und der Klettergipfelzugänge geschieht auf eigene Gefahr.

Die Verkehrssicherungspflicht der Eigentümer/Verantwortungsträger beschränkt sich

Im übrigen muß der Nutzer/Wanderer/Bergsteiger mit Gefahren rechnen, wie sie in freier Natur und Landschaft, in Gebirgen, Felsterrains und Wäldern üblich sind. Diese Regelungen sind, soweit erforderlich, durch die zuständige Behörde juristisch abzusichern.

...

5. Die Sicherung der biologischen Vielfalt, der Schutz für seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten sowie die verstärkte Ausprägung des Ruhecharakters zur Erhaltung/Verbesserung der Erholungsfunktion der NPR erfolgen vor allem durch informelle Maßnahmen (Aufklärung und Besucherlenkung), erforderlichenfalls auch durch zeitweise Sperrung von Biotopterrains, Sammelverbot für Pilze und Beeren und Datenschutzmaßnahmen.

...

Zu den informellen Maßnahmen gehört als eine sehr wirksame Methode der Gebietsberuhigung: Die betreffenden Pfade und Stege nicht zum Diskussionsgegenstand machen und nicht in die allgemein verwendeten Wanderkarten aufnehmen.

...

Orientierungslauf und Mountainbiking sind wegen der besonderen Empfindlichkeit des Elbsandsteingebirges im gesamten Gebiet nicht zulässig. Für Mountainbiker gelten die gleichen Richtlinien wie für Fahrradtouristen (s. o.).

...

III. Resümee und Ausblick

Der Nationalpark ist Realität. Seine Ambivalenz sollte aber immer gesehen werden. Mit einem vernünftigen Wegekonzept könnte noch das beste aus der Sache gemacht werden. Die oben stehenden Vorschläge sollen dem dienen. Gleichzeitig sind sie geeignet, etwas an der übrigen Sächsischen Schweiz 'wiedergutzumachen'.

Unseres Erachtens stehen die Vorschläge nicht im Widerspruch zum Schutzzweck des Nationalparkes (vgl. NPVO 3). Erforderlich ist nur der Mut der staatlichen Verantwortungsträger, sich vom Ziel eines 'amerikanischen' Nationalparkes - der immer eine Vergewaltigung der Ganzheit Sächsische Schweiz sein wird und eine kontraproduktive Wirkungskomponente hat - zu verabschieden und einen weitestgehend 'sächsischen' Nationalpark anzustreben. Dies könnte durchaus ein wissenschaftlich interessanter Beitrag zum Thema Nationalpark sein. Und es entspräche der Bedeutung, die international dem Nationalparkkonzept "als einem vernünftigen Gebrauch von Naturgütern" beigemessen wird (IUCN-Resolution 1969). Schließlich haben wir eine Sächsische Schweiz zu schützen und nichts anderes.

Sollte sich ergeben, daß aus formaljuristischen Gründen kein ausreichender Spielraum für die Realisierung eines alternativen Wegekonzeptes besteht, muß ... erwogen werden, entsprechende Zielsetzungen ... abzuändern. In diesem Zusammenhang wäre dann im Vergleich mit dem derzeitigen Zustand zweierlei zu prüfen:

a) ob es für die Sächsische Schweiz nicht wesentlich günstiger ist, sich die Alternative in der IUCN-Definition zu eigen zu machen: "Ein Nationalpark ist ein verhältnismäßig großes Gebiet, ...... oder das eine besonders schöne natürliche Landschaft aufweist" (IUCN-Resolution 1969) - da die Kategorie II anzustreben, allemal mit gravierenden Problemen verbunden bleiben wird oder

b) ob mit einem bilateralen 'Biosphärenreservat Sächsisch-Böhmische Mittelgebirge' (wie zu den Umwelttagen 1993 in Hohnstein vorgeschlagen) nicht auch für die Sächsische Schweiz eine viel bessere Schutzkategorie gegeben wäre.

Naturschutzfachliche, landeskulturelle und ökologische Sachverhalte und Erfordernisse können nicht in Gesetzen ihre Beschränkung erfahren sondern umgekehrt: die Gesetze haben sich nach den Sachverhalten und Erfordernissen zu richten und müssen dementsprechend kritisch geprüft und geändert/novelliert werden.

Die vielfältigen Proteste gegen den Entwurf der Wegekonzeption der NPV sollten ernst genommen werden. Das Konzept ist unausgegoren, nicht hinreichend begründet ... bedenklich und eher kontraproduktiv als dem Schutz der Sächsischen Schweiz dienlich. ...

Eine Folge der NP-Deklarierung ist, daß dem Besucher des NP und anderen suggeriert wird, außerhalb des NP sei die Landschaft ein geringeres Schutzgut. ...

Das vorgeschlagene Alternativkonzept behandelt die Sächsische Schweiz als natürliche und kulturhistorische Einheit und beruht auf sieben Grundsätzen:

1. Der Geltungsbereich des Wanderwegekonzeptes erstreckt sich auf die gesamte Nationalparkregion LSG Sächsische Schweiz.
2. Die Natur bleibt in allen Teilen des Gebietes für jedermann erlebbar.
3. Die Wiedereinführung, Praktizierung und Förderung einer dem Gesamtgebiet und seinem Schutzziel dienenden Touristischen Kultur ist Hauptaufgabe der Verantwortungs- und der Nutzungsträger der Region.
4. In allen sensiblen Gebieten der Sächsischen Schweiz besteht Wegegebot; die Begehung der markierten und nichtmarkierten Wege geschieht auf eigene Gefahr; die Markierung erfolgt nach einem für die NPR LSG Sächsische Schweiz einheitlichen System.
5. Die Sicherung der biologischen Vielfalt, der Schutz für seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten sowie die verstärkte Ausprägung des Ruhecharakters zur Erhaltung/Verbesserung der Erholungsfunktion der NPR erfolgen vor allem durch geeignete informelle Maßnahmen.
6. Die für eine aktive Erholung spezifische Nutzungsart der Sächsischen Schweiz ist zu bewahren und zu pflegen, andere touristische Nutzungsarten sind auszuschließen.
7. Zur Unterstützung der Schutzfunktion des Wegekonzeptes sowie zur Erhaltung und Verbesserung der Erholungsfunktion des Gebietes ist ein dem Schutzzweck der Nationalparkregion LSG Sächsische Schweiz sowie touristischen Bedürfnissen dienendes Verkehrskonzept erforderlich.