Sächsische Schweiz Initiative

Unser Gebirge ist ja eigentlich ein traditionelles Wander- und Klettergebiet. Wie aber zeigt sich diese Region, wenn sich unsere wachen Augen einen Zoll höher als gewohnt auf diese Berge zubewegen, schneller als zu Fuß, aber gemächlicher als mit dem Auto? Wir haben inzwischen oft den Vergleich gewagt und sind zum Schluß gekommen - das Gebirge zeigt sich einfach anders!

In der Diskussion um das Mountainbikefahren in der Sächsischen Schweiz möchten wir nicht das Nationalparkgesetz zitieren, sondern nochmals erklären, warum offroad-biken (ins sächsische übersetzt: Geländefahren) hier so problematisch ist:

Um dem Namen "Nationalpark-Region" gerecht zu werden, muß dem Naturreservoir Schutz vor einer zunehmenden Nutzung durch den Menschen gewährt werden. Das heißt, er soll attraktiv bleiben durch den Erhalt seines traditionellen Charakters entgegen einer Entwicklung zum Freizeitpark.

Durch seine bizarre Landschaftsformen und da das Gebiet natürlich zu Fuß erschlossen wurde, sind die viele Wege extrem schmal (im Gegensatz vielleicht zum Thüringer Wald, durch den Busreisegruppen gejagt werden können).

Das gesamte Gebiet ist durch seine geologische Struktur stark erosionsgefährdet, die Reifen greifen bei typischen Sandwegen tief ein.

derwege noch Klettersteige mit dem Rad belästigt werden. Die vorgestellten Strecken beginnen und enden empfohlenerweise an Bahnhöfen. Fahrräder mit der Regionalbahn oder S-Bahn mitzunehmen, ist kein Problem und kostet z.B. von Dresden bis Bad Schandau pro Rad 2,50 DM. Selbst wer mitten auf der Strecke steckenbleibt wegen Platzregens oder akuten Heimwehs, kann auch mit dem Überlandbus weiterkommen. Die beschriebene Richtung schien für uns die angenehmste, bzw. sinnvollste oder einfach, weil man halt eine Richtung braucht. Auf den Touren werden sie zwangsläufig auf stärker befahrene Straßen geraten, welche auf der Übersichtskarte markiert sind. Pausen sind auf den Touren ausdrücklich erlaubt und parken für Räder im Wald nicht verboten. Kommen wir also zur Sache:

Elbradweg

Dresden - Pirna - Rathen - Bad Schandau

Distanz: ca. 35 km ab Laubegast

geschätzte Fahrtzeit: 2 bis 3 Stunden

empfohlen für: alle Familienmitglieder

Radmaterial: keine Anforderungen

Inzwischen kann man sich ja bekanntlich am Ufer der Elbe bis nach Bad Schandau auf einem angenehmen Radweg entlangschlängeln (bis auf eine kurze, mäßig befahrene Straße). Wir empfehlen folgende Wegstrecke:

Von Dresden (Altstadtseite) ist der Elbradweg durchgängig bis Heidenau ausgebaut und beschildert. Als Startpunkt haben wir die Pillnitzer Fähranlegestelle gewählt. Ab hier folgt man dem ausgeschilderten Radweg und passiert nach 5 km das Sachsen-Malz Werk, wo der Weg nach rechts abbiegt und an der nächsten Gabelung wieder links. Hier wird man auf eine an der Elbe verlaufende Straße geführt. Diese verläßt man, wenn sie sich scharf nach rechts vom Fluß abwendet (7,5 km nach Pillnitz) und folgt einem Plattenweg an der Elbe. Man passiert Pirna (10 km nach Pillnitz), Obervogelgesang, Wehlen (18 km nach Pillnitz) und Rathen. Vor dem Ortsausgang des Kurortes folgt man der kleinen Straße Richtung Strand (22 km nach Pillnitz) und gelangt nach Königstein (28 km nach Pillnitz). Wenn man die nervige B 172 nach Bad Schandau umgehen will, so empfiehlt es sich, hier mit der Fähre überzusetzen und am anderen Ufer sein Glück zu versuchen. Allerdings ist dort der Untergrund nicht für eine Sportbereifung geeignet und kurze Steilstücken sind eingebaut. Wer in Bad Schandau dann erst richtig warm geworden ist, dem sei der folgende Abstecher empfohlen.

Im Kirnitzschtal von Bad Schandau zum Zeughaus & zurück

Distanz: ca.14 km

geschätzte Fahrtzeit: 1 bis 2 Stunden

empfohlen für: alle Familienmitglieder ohne Angst vor Autoverkehr

Radmaterial: keine Anforderungen, für den Fahrweg zum Zeughaus empfiehlt sich jedoch eine Gangschaltung

Anreise: S-Bahn bis Bad Schandau im Halbstundentakt

Wer sonst nur mit dem Auto ins Kirnitzschtal fährt, weil es ihm zu umständlich ist, mit Bahn, Fähre und Straßenbahn zum Beuthenfall zu gelangen, der sollte vielleicht mal die Radvariante testen - garantiert streßfrei und schweißtreibend. Ausgang für diesen Abstecher kann auch der Bahnhof Bad Schandau sein.

Diese Strecke führt durch die leicht steigende Straße im Tal vorbei am Zeltplatz Ostrauer Mühle (4,5 km vom Bahnhof), am Lichtenhainer Wasserfall (8 km vom Bahnhof),an der Felsenmühle und wer mag, den Anstieg zum Zeughaus.

Als Rückweg bietet sich die gleiche Strecke an, da die Straßen sehr steil sind, welche aus dem Tal führen.

Nach dem radeln Minerale tanken !

Hohe Tour

Geising - Zinnwald - Petrovice -Tisá - Decín (- Schmilka)

Distanz: 60 km (Decín) oder 70 km (Schmilka)

geschätzte Fahrtzeit: 4 bis 5 Stunden

empfohlen für: Familienmitglieder mit gesunder Kondition

Radmaterial: Trekkingrad oder Mountainbike mit guten Bremsen

Erschrecken Sie nicht vor dem Namen der Tour, er ist entlehnt worden aus dem Sprachschatz der "eingeborenen" Skifahrer, die der Durchschreitung dieser Route eine seelenläuternde Wirkung zuschreiben (natürlich nur auf Brettern). Wir wollen also diesen Wintermarathon entzaubern und uns nur dem Genuß dieser Landschaft hingeben.

Der Witz der Böhmischen Hohen Tour ist, daß man, sobald Zinnwald erreicht wurde, den höchsten Punkt der Tour erklommen hat und sich fortan mit wenigen Ausnahmen talabwärts bewegt. Die sächsische Hohe Tour ist weitaus sportambitionierter und beschränkt sich mehr auf den angestrengten Blick auf die sich vor dem Auge aufsteilenden und abstürzenden Straßen. Die böhmische Strecke verläuft vorwiegend auf kleinen, wenig befahrenen Straßen vorbei an Hochmooren, entlegenen Dörfern und über weite Landschaften.

Sollte die Reise von Dresden angetreten werden, so ist es klug, bis Heidenau mit der S-Bahn zu fahren und dann in die Regionalbahn Richtung Altenberg umzusteigen. Der Fahrradtransport ist hier kein Problem. Wir haben als Endstation Geising gewählt, weil man von diesem Ort aus die stark befahrene F 172 umfährt. Allerdings lauert auf den ersten 3 km der Radstrecke der anstrengendste Aufstieg der gesamten Tour.

Man fährt vom Bahnhof Geising Richtung Ortszentrum und schlängelt sich auf der Hauptstraße Richtung Zinnwald. Am Ortsausgang steilt sich dann die Stecke auf und man folgt in Zinnwald den Hinweisen zum Grenzübergang.

Nachdem man die Grenzstation passiert hat (Ausweis nicht vergessen), biegt man sogleich auf eine kleine, für Fahrräder beschilderte Straße nach links ab und folgt dieser einige Kilometer vorbei an Hochmooren und zerzausten Wäldchen. Man erreicht den kleinen Ort Krupka Fojtovice (10,5 km nach Geising).

An dessen erster Kreuzung biegt man nach links ab. Die Straße steigt jetzt an bis auf ein Plateau, von wo aus man eine ungewöhnliche Sicht auf das auslaufende Osterzgebirge hat. Adolfov (15 km nach Geising) wird erreicht. Man folgt nun den Hinweisen nach Krásný Les. Von dort radelt man nach Petrovice In dieser Ortschaft (25 km nach Geising) passiert man kurzzeitig die Schnellstraße 248 zum Grenzübergang Bahratal. Wer hier merkt, daß die Zeit knapp wird für die zweite Hälfte der Tour, der kann die weiter hinten beschriebene Variante Bahratal mit Ziel Königstein fahren.

Von der Straße 248 biegt man gleich in Richtung Tisá ab. Tisa durchquert man komplett geradeaus und verläßt den Ort so Richtung Snecník. Die Straße teilt sich vor dem Tafelberg Sn÷úník und man biegt nach links Richtung Maxicky ab. Die Straße fällt jetzt immer leicht ab und man hat schöne Blicke zum Schneeberg.

Leider fällt während der ganzen Tour, so auch hier direkt gegenüber der Nationalpark-Region Sächsische Schweiz, der sehr schlechte Waldzustand auf. Fast alle älteren Bäume befinden sich bereits im Auflösungsstadium oder sind so gut wie tot.

Am Abzweig Maxicky angekommen, sollte man nochmal nach den Bremsen schauen, denn die kommende Abfahrt ins Elbtal nach Decín ist mit Schuhsohlen nicht mehr zu stoppen.

In Decín muß man entscheiden, ob mit dem Zug die Heimreise antreten werden soll, oder noch 12 km bis Schmilka auf der mäßig bis stark befahrenen Elbstraße gefahren wird. Der Radtransport von Decín könnte sich jedoch in einem EC als problematisch erweisen, in Schmilka lockt die S-Bahn im Halbstunden-Takt und der billigere Tarif.

Variante Bahratal:

Petrovice - Bahratal - Bahra - Königstein

Distanz: 27 km

geschätzte Fahrtzeit: 2 bis 3 Stunden

Diese Variante soll der Abkürzer der Hohen Tour sein und führt im Gegensatz zu deren Ritt auf den Bergrücken durch typische Elbsandsteintäler.

Ausgangspunkt ist die vorher beschriebene Hohe Tour auf deren Hälfte Petrovice liegt (am Abzweig der Straße 248 nach Dresden oder Decin). Hier folgt man der großen Straße nach Bahratal, passiert nach 4 km die Grenzstation und kommt so nach Bahratal. Kurz nach dem Ortseingang biegt eine kleinere Straße nach Langenhennersdorf ab, der wir folgen. Man durchquert Bahratal und verläßt den Ort Richtung Langenhennersdorf (8 km nach Petrovice). Man könnte am letzten Abzweig in Bahratal auch gleich ins Bielatal fahren, aber der Berg ist so grausam, daß wir eine kreislaufschonende Umfahrung gewählt haben (Radfahren soll ja auch Spaß machen).

Als nächstes trifft man auf das Dorf Bahra (11 km nach Petrovice), wo man die Hauptstraße Richtung Königstein, Langhennersdorf verläßt. Es zieht sich eine kurze Steigung hin, an deren Ende man rechterhand abbiegt. So gelangt man weiter über Raum nach Bielatal und nach Königstein. Hier kann man die S-Bahn Richtung Dresden nutzen oder sich noch dem Charme des Elbradweges bis Rathen hingeben.

Steffen Kube

Steffen Kube, 2. Februar 1996