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Der Rosenberg

„Der Rosenberg, eine malerische Zierde u. ein vielbesuchter Zentralpunkt der böhm. Schweiz, erhebt sich 616m hoch mitten auf der ausgedehnten Sandstein-Hochfläce von Bindorf, dieselbe beiläufig 280m überragend.“ So treffend schreibt über den Rosenberg Dr. F. Hantschel in seinem Nordböhmischen Touristen-Führer (Hantschel 1907). Den Rosenberg lobt auch Th. Schäfer in seinem Touristenführer durch die Sächsische Schweiz: „Der Reiz des Rosenberges liegt in der edlen Form, in dem aus mächtigen Buchen und Ahornbäumen bestehenden Laubwalde, der den Aufenthalt zahlloser Waldsänger bildet, in der üppigen, dem Basaltboden entsprossenden Pflanzenfülle und endlich in der durch einzelne Bilder entzückenden Fernsicht“ (Schäfer 1904). Der Rosenberg war immer eine Inspiration für Maler, Wanderer und Naturfreunde. Auch Caspar David Friedrich hat diesen Berg in einigen Landschaftsstudien gezeichnet sowie auch auf dem Ölgemälde „Nächtliche Landschaft mit Regenbogen“ festgehalten. Beim bekannten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ ist nicht eindeutig klar, ob es sich um den Rosenberg oder den Kaltenberg handelt (Hoch 1987).

Aussichtsturm und Restaurant auf dem Rosenberg (historisches Bild)

Der Rosenberg stellt mit seiner Höhe von 619 m ü. NN den höchsten Punkt des Nationalparks Böhmische Schweiz dar. Im Gebiet der gesamten Sächsisch-Böhmischen Schweiz wird er nur vom Hohen Schneeberg (722 m ü. NN) übertroffen.

Die ideale Lage des Rosenberges veranlaßte schon im Jahre 1881 den Grafen Edmund Clary-Aldringen zum Bau eines hölzernen Aussichtsturmes und ein Jahr später wurde auch eine Restauration erbaut. Im Jahre 1891 mußte jedoch der Aussichtsturm abgerissen werden, nachdem er vom Blitz beschädigt worden war. 1893 wurde ein neuer, 24 m hoher Holzturm erbaut, der 10 Jahre in Betrieb war, bis er 1903 bei einem Gewitter einstürzte. Schon ein Jahr später ließ Carlos Clary-Aldringen den dritten hölzernen Turm bauen, der zusammen mit der Restauration bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts den Besuchern diente (Nouza 1994).

Die einzigartige Aussicht vom Rosenberg beschrieb Hantschel sehr ausführlich in seinem Touristen-Führer. Obwohl man heute vom Gipfel keinen Rundblick mehr hat, ermöglichen doch einige Stellen auf dem Gipfel und vom Touristenweg beschränkte Ausblicke in verschiedene Richtungen, besonders im Winter, wenn der Wald ohne Laub ist. So hat man von der ehemaligen Terrasse auf dem Gipfel einen schönen Blick gegen Südwesten ins Elbtal oberhalb von Dìèín und auf das Böhmische Mittelgebirge mit dem Milleschauer und dem Kletschen oder gegen Nordwesten auf die Tafelberge der Sächsischen Schweiz und bei sehr guter Sicht auch auf die Türme von Dresden. Vom markierten Bergpfad am Nordhang des Berges hat man wieder eine Aussicht auf die Dittersbacher Felsen, das Kreibitzer Gebirge und den Jeschken.

Die markante Kuppe des Rosenberges entstand im Zusammenhang mit der vulkanischen Tätigkeit im Tertiär. Die vulkanischen Körper des Böhmischen Mittelgebirges, zu denen vom geologischen Gesichtspunkt aus auch der Rosenberg gehört, stammen aus der sog. Hauptphase des tertiären Vulkanismus, die vor 40-18 Millionen Jahren verlief.

Der Rosenberg im Herbst                                                                                                                                                Foto: V. Sojka

Der heutige Rosenberg stellt jedoch keinen richtigen Vulkan dar, denn der eigene vulkanische Körper, den wir heute sehen, ist der durch die Erosion herauspräparierte Kanal des Vulkans. Das bedeutet, daß die Höhe des Vulkans früher viel größer war. Was wir heute sehen, war ursprünglich mit Kreide-Schichten (Sandstein) bedeckt. Diese höheren (und demnach jüngeren) Schichten wurden durch die flächenhafte Abtragung durch Wasser, Wind u.a. während des Quartärs schrittweise abgebaut, gemeinsam mit dem oberen Teil des Vulkans, womit der ursprünglich unter der Oberfläche liegende vulkanische Körper ans Licht kam. Durch sukzessiven Zerfall der Reste des vulkanischen Kanals entstand die charakteristische Kuppe mit Blockhalden an den Hängen des Rosenberges. Auf dieselbe Weise entstanden auch die meisten Kegel und Kuppen des Böhmischen Mittelgebirges. Das Gestein, das den Rosenberg bildet, heißt richtig Nephelin-Basanit und gehört zu den Basalt-Gesteinen.

Daß der heutige vulkanische Körper ursprünglich unter den Kreideschichten lag, beweisen die noch immer gut erhaltenen Sandsteinfelsen, die man besonders auf der Südseite des Rosenberges in der Höhe bis zu 500 m ü.NN finden kann. Diese Sandsteinschichten erhielten sich gerade deshalb, weil sie durch den Kontakt mit dem vulkanischen Gestein verhärtet wurden, während dieselben Schichten in der umliegenden Landschaft schon längst abgetragen waren. Dadurch liegt die Sandstein-Tafel um den Rosenberg heute 200m niedriger als die Sandsteinfelsen oben auf dem Rosenberg.

Dieselbe Erscheinung haben wir auch am Großen Winterberg, wo sich die Sandsteinfelsen ungefähr in derselben Höhe erhielten (z.B. oberhalb der Silberwände). In kleinerem Maßstab kann man dies auch z.B. auf dem Eulenhübel (Mlýny), dem Wespenberg (Vosí vrch), dem Gohlischt (Golištì) und dem Michelsberg (Michelùv vrch) bei Jetøichovice sehen. Die höchsten Punkte der letztgenannten Berge werden jedoch nicht durch Basalt wie beim Rosenberg, sondern durch Sandsteinfelsen gebildet.

Aber zurück zum Rosenberg. Dieser Berg ist nicht nur als Landschaftsdominante und hohe vulkanische Kuppe bedeutend, sondern auch als eine wichtige Lokalität der Naturwälder, die schon einem Urwald nah sind. Der größte Teil des Berges wird von submontanen krautreichen Buchen- und Schuttwäldern bestockt.

Basaltfelsen am Gipfel des Rosenberges      Foto: Handrij Härtel

Der Reichtum dieser Wälder ist, im Vergleich zu der armen Vegetation auf dem Sandstein, besonders auffallend. Dies ist sehr gut ersichtlich, wenn man den Rosenberg auf dem gelbmarkierten Weg von Kamenická Straò (Kamnitzleiten) besteigt, wo sich das Bild der Flora rapide ändert, wenn wir vom ehemaligen Steinbruch auf die eigentliche Kuppe aufsteigen. Besonders auffallend ist dabei der Frühlingsaspekt, wo sich z.B. Quirlzahnwurz (Dentaria enneaphyllos) und Zwiebelzahnwurz (Dentaria bulbifera) geltend machen, weiter Buschwindröschen (Anemone nemorosa), selten auch Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), außerdem

Dagegen herrschen im Sommeraspekt die Gräser vor, unter denen Einblütiges Perlgras (Melica uniflora) dominiert. Von anderen Gräsern sind auf dem Rosenberg Wald-Schwingel (Festuca altissima), Wald-Haargerste (Hordelymus europaeus) und Flattergras (Milium effusum) häufig.

Quirlzahnwurz ist eine charakteristische Pflanze am Rosenberg. 						      	      Foto H. Riebe

Interessant sind auch die Vorkommen von Farnen. Neben dem häufigen Gewöhnlichen Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) und dem häufigen Waldfrauenfarn (Athyrium filix-femina) treten hier auch Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris), Feingliedriger Dornfarn (Dryopteris expansa), an den Gipfelfelsen der Gewöhnliche Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) auf und an einer einzigen Stelle in der gesamten Böhmischen Schweiz auch Gelappter Schildfarn (Polystichum aculeatum).

In der Baumschicht herrscht die Rotbuche (Fagus sylvatica) vor, in den Schuttwäldern machen sich vielmehr Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Bergulme (Ulmus glabra), beigemischt auch Sommerlinde (Tilia platyphyllos), Winterlinde (Tilia cordata), Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior) und Spitzahorn (Acer platanoides) geltend. Manche Bergulmen starben in den vergangenen Jahrzehnten als Altbäume infolge der Graphiose, einer Ulmenkrankheit, ab. Die Bergulme verjüngt sich jedoch häufig immer wieder, wobei die jungen Ulmen meistens bis zu einem gewissen Alter gegen die Krankheit resistent sind.

Neben der urwaldnahen Vegetation sind auf dem Rosenberg auch die waldfreien Blockhalden (die sog. Steinernen Meere) von großer Bedeutung. Die größten befinden sich am Süd- und Westhang, die jedoch fast vegetationsfrei sind. Interessanter ist die Blockhalde am Osthang, die reich an Kryptogamen ist (z.B. Racomitrium lanuginosum oder Adreaea rupestris). Am Rande der Blockhalden, auf der einzigen Stelle in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, wächst hier am Rosenberg die Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum).

Die Alpen-Johannisbeere wächst an einer einzigen Stelle in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz: am Rande der Blockhalden des Rosenberges.			   	   	Foto: Holm Riebe

Der Rosenberg ist seit 1973 als Staats-Naturschutzgebiet geschützt, seit 1992 dann als Nationales Naturschutzgebiet. Im Jahre 2000 wurde der Rosenberg außerdem noch Bestandteil des Nationalparkes Böhmische Schweiz. Diese schöne Basaltkuppe zählt damit zu den wertvollsten Natur-Objekten der Tschechischen Republik.

Handrij Härtel,
Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz

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