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Herrlich rosa blüht es im Spätsommer im Kirnitzschtal! So werden sicher viele Wanderer gedacht haben, als sie die weiten Wiesenflächen komplett mit rosafarbenen Blüten übersät sahen.
Doch irgendwie wurde man stutzig, weil dieses Blühen aus der Vergangenheit unbekannt war. Beim genaueren Hinsehen waren große, bis zu 2 m hohe Pflanzen mit kräftigen Stengeln zu erkennen. Sie nahmen im Jahr 2004 fast die gesamte (!) Fläche der Wiesen im Kirnitzschtal ein.
Im Polenztal konnte man sich dagegen im Spätsommer an gelben Blüten „erfreuen“. Auch hier schien eine dem „Normalverbraucher“ unbekannte Art zu wachsen. Im Sebnitztal und im schattigen Liebethaler Grund dominierte hingegen eine weiß blühende, ebenfalls 2 m hohe Pflanze mit bambusartigen, kräftigen Stengeln. Auch diese Pflanze ist so stark verbreitet, daß jeder Wanderer und Naturfreund sie eigentlich kennen müßte. Aber fast niemand kennt sie.
Was ist des Rätsels Lösung?
Die in unseren Tälern wachsenden, unbekannten Arten sind nicht einheimische Pflanzen, die sich anfangs in geringem Ausmaß, doch jetzt immer rasanter verbreiten. Sie finden in den nährstoffreichen hellen Talauen günstige Wachstumsbedingungen, haben kaum natürliche Feinde und eine besonders hohe Vermehrungsfähigkeit. Da sie nicht in ihrem natürlichen Kreislaufsystem leben, werden sie von hiesigen Raupen bzw. Schnecken gemieden, teilweise fehlen auch Bodenbakterien und Pilze, die sie zersetzen. Damit sind sie den einheimischen Arten überlegen und verdrängen sie. Die Wiesen in den Tälern der Sächsischen Schweiz, und nicht nur hier, werden regelrecht überwuchert.
Schon im Jahr 2001 hatte die Nationalparkverwaltung die Problematik in ihren Anfängen erkannt und beauftragte René Schubert mit Untersuchungen in den Tälern des Nationalparks. Sechs nichteinheimische Arten wurden damals festgestellt. Nur drei spielen davon eine signifikante Rolle. Diese drei Pflanzen seien im folgenden kurz vorgestellt:
Die Art hat sich in Europa fast ausschließlich vegetativ bzw. durch Verschleppung verbreitet. Der Japanische Staudenknöterich hat hohe Feuchtigkeitsansprüche und ihm haftet ein „aggressiver“ Nimbus an.
Bekämpfungsversuche bei dieser Pflanze ergaben wenig befriedigende Ergebnisse. Schubert stellt fest, daß ein Totalherbizid-Einsatz mehr als diesen Neophyten abtötet, was diese Methode an Fließgewässern eines Nationalparkes indiskutabel macht. Mähexperimente führten zu dem Ergebnis, daß erst langjährige Mahd in kurzen Intervallen die Vitalität eines Bestandes beeinträchtigt (Schubert 2001).
Nichteinheimische Pflanzen sind keine neue Thematik. Hierzu zählen z.B. bei den Bäumen die Roteiche, die Douglasie oder die Weymouthskiefer. Auch weitere Pflanzenarten wie Fingerhut und Kastanie sind nicht ursprünglich bei uns heimisch, aber kaum jemand wird sie als „Fremdlinge“ verteufeln. Viele Tiere und Pflanzen, die sich langsam einbürgern und einpassen, werden akzeptiert. Manchmal freut man sich sogar. Der Schwarzstorch hat sich, langsam von Osten kommend, neue Gebiete erschlossen und ist erst seit einigen Jahrzehnten bei uns heimisch. Der in der Sächsischen Schweiz erstmals 1996 gesichtete Würgfalke kam aus Südosteuropa zu uns. Man war stolz, als hier im Jahr 2000 die ersten jungen Würgfalken in Deutschland ausflogen. Die in den letzten Jahren verstärkt unsere Gärten heimsuchenden braunen Nacktschnecken sind jedoch weniger erfreulich.
Differenzierter sollte man das allerdings bei Pflanzenarten sehen, die massiv die einheimische Flora verdrängen und die ganze Riffe oder Täler in ihrem Charakter verändern.
Die Weymouthskiefer, eine nordamerikanische Art, ist gerade in der Böhmischen Schweiz weit verbreitet, verdrängte durch ihr schnelles Wachstum immer mehr Riffkiefern und ihre unheimlich große Masse an Nadelstreu veränderte komplett die Bodenvegetation. Die Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz bekämpft derzeit entschieden die überhandnehmende Weymouthskiefer.
Das Phänomen der drei in diesem Beitrag vorgestellten, in Tälern wachsenden Arten ist ebenfalls schon länger aus anderen Gebieten Deutschlands bekannt. Doch bei diesen Pflanzen scheint es deutlich schwieriger als bei der Weymouthskiefer, Lösungen zu finden.
Wir wandten uns deshalb mit einer Anfrage an das Nationalpark- und Forstamt Sächsische Schweiz. Referatsleiter Jürgen Phoenix teilte u.a. mit: „Das Thema ist äußerst komplex und wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. ... Die Bekämpfung von nicht einheimischen Arten ist nur selten erfolgreich. Eine bundesweite Befragung von Naturschutzbehörden ergab, daß nicht einmal jeder fünfte Bekämpfungsversuch konfliktträchtiger Arten als Erfolg bewertet werden kann.“ In Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt, so Jürgen Phoenix, läßt die Nationalparkverwaltung derzeit die Auswirkung dieser Arten im Kirnitzsch-, Polenz- und Sebnitztal im Rahmen einer Diplomarbeit näher untersuchen. Die Arbeit, die im Frühjahr 2005 fertiggestellt wird, soll auch Vorschläge im Umgang mit diesen Arten beinhalten.
„Eine flächendeckende Bekämpfung der genannten Arten ist aus rechtlichen und finanziellen Gründen nicht möglich und wäre ökologisch auch nicht unproblematisch“, erläutert Herr Phoenix weiter. „ ... Über spezielle Mähzeitpunkte und -intervalle kann lokal auf eine Zurückdrängung insbesondere des Drüsigen Springkrauts hingewirkt werden.“
Ganz sicher ist der eingeschlagene Weg richtig, zuerst Untersuchungen zur aktuellen Situation durchzuführen und dann Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Die Ergebnisse der Untersuchungen aus dem Jahr 2001 hatten jedoch bereits Handlungsbedarf angezeigt. Es scheint, daß mit einer intensiven Diskussion und einem Reagieren in der Sächsischen Schweiz nicht mehr zu lange gewartet werden sollte. Denn hatte man in den letzten Jahren nur vereinzelt diese Pflanzen gesehen, nahmen sie dann stetig zu, und derzeit gleicht es zunehmend einer Invasion. Auch Herr Phoenix von der Nationalparkverwaltung spricht von den invasiven Arten Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich und Schlitzblättriger Sonnenhut.
Es bleiben viele Fragen: Welchen Einfluß haben diese Arten auf die einheimischen Arten? Geht die Invasion immer weiter? Man sieht, wie das Springkraut ganz langsam die Nebentäler „hinaufkriecht“, z.B. den Nassen Grund. Überspitzt formuliert: Sieht man in den Tälern des Nationalparks bald kaum noch einheimische Arten und dafür nur noch Fremdlinge?