SSI-??? Startseite SSI

„Messer, Schere, Gabel, Licht ...“

Waldbrände in der Sächsischen Schweiz 2003

Der Rekordsommer 2003 ließ nicht nur Felder und Flüsse vertrocknen, sondern auch die Waldbrandgefahr ungewöhnlich ansteigen: Nach Aussagen der Nationalparkverwaltung hat es vermutlich noch nie so lange hintereinander die höchste für uns zutreffende Warnstufe III gegeben. Wir konnten die Sächsische Schweiz weiterhin betreten, wie schon in früheren heißen Jahren. Teile des Nationalparks Hainich in Thüringen hingegen wurden diesmal für den Besucherverkehr gesperrt. Anwohner der großen Kiefernwälder, z.B. in der Gegend von Weißwasser, erleben das des öfteren.

Sicherlich brennen die Wälder in unserem Felsrevier nicht gleich so lichterloh wie die prasseldürren Kiefernheiden im Norden. Dafür sind in der Sächsischen Schweiz die Löscharbeiten um einiges schwieriger, wie jedem einleuchten wird. Das zeigte sich recht drastisch am Vormittag des 30. Mai 2003, als es gleichzeitig an zwei unzugänglichen Stellen brannte: Zum einen unterhalb der Schrammsteinaussicht, zum anderen im Brandgebiet in der Nähe des Klettergipfels Drillingsturm. Daß man auf den Schrammsteingrat weder Feuerwehr noch Löschschläuche hoch bekommt, wird jedem einleuchten. Auf etwa 0,1 Hektar qualmte und loderte es. Das klingt nicht viel, doch sind das immerhin 1000 m2. Touristen versuchten verzweifelt, die Flammen zu löschen, aber sie schossen immer wieder an neuen Stellen aus dem Boden hoch. Ein Augenzeuge sah unmittelbar vorher einige junge Leute mit Kraxen und Isomatten rauchend den Wildschützensteig hinablaufen (es war sehr trocken!).

Im Brandgebiet am Drillingsturm standen 3000 m2 in Flammen. Dort war die Lage aus anderem Grund kompliziert: Die Glut fiel von Riffen nach unten und entzündete immer wieder neue Bänder. In beiden Fällen konnte nur noch der Hubschrauber helfen. 40 Flüge mit jeweils 5 t Wasser sollen notwendig gewesen sein. Die Löscharbeiten dauerten einige Tage. Reden wir nicht von den Kosten. Als es im Juni 2000 in der Nähe des Satanskopfes in den Affensteinen brannte, kosteten allein die Hubschrauberflüge etwa 160.000 DM (für Vergeßliche: das sind 80.000 EUR).

Sieben Waldbrände wurden dieses Jahr bisher allein im Gebiet des Nationalparks bekämpft. Der erste datiert vom 1. Mai (500 m2 in der Nähe des Gipfels Bergfried in den Affensteinen), die beiden letzten von Ende August und Mitte September im Großen Zschand. Trotzdem sei man noch relativ gut dabei weggekommen, hieß es beim Treffen der Umwelt- und Bergsportverbände in der Nationalparkverwaltung im September 2003. Für die Dresdner Heide sah es schlimmer aus.

Die „Gretchenfrage“ hierbei ist natürlich die nach den Ursachen. Die beiden großen, zuerst genannten Brände wurden anscheinend durch wildes Feuern verursacht, 1-2 kleine Brände sind auf Raucher zurückzuführen. Andere Möglichkeiten kommen kaum in Betracht, denn Blitzschläge wurden vermutlich seit Mai nicht beobachtet, und Glasscherben erzeugen in den seltensten Fällen Waldbrände.

Wildes Feuern ist eine der schlimmsten Unsitten, die sich derzeit ausbreiten. Das hat zunächst einmal nichts mit Boofenfeuern zu tun. Ich habe zum Beispiel am 14. Juni in der Kansteinboofe geschlafen. Es waren – wenn überhaupt – nur wenige Bergsteiger dort, eher junge Leute, die eine Nacht im Freien erleben wollten. Interessanterweise bestand das „Lagerfeuer“ aus sieben Teelichtern, obwohl keine sonderliche Waldbrandgefahr bestand. Das freute mich. Aber: Hinten am Horizont, mitten in der Kernzone (offenbar auf einem Riff oberhalb des Blauen Horns), brannte die ganze Nacht ein Feuer. Und das brachte mich in Rage. Man kann es kaum noch Vandalismus nennen, auf gesperrten Riffen in der Kernzone nächtliche Feuer zu entfachen. Wer da erwischt wird, hat nichts mehr zu lachen. Kleine Feuer in Boofen wurden schon pro Nase mit 50 EUR bestraft (zuzüglich 20 EUR für die Verwaltung). Den Preis eines Boofenfeuers bei wirklicher Trockenheit erfahren wir noch. Fakt ist, daß ein Feuer bei hoher Waldbrandwarnstufe nicht nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt und schärfer geahndet wird.

Ich hörte tatsächlich die Meinung: „Weil Feuern in Boofen verboten ist, ziehen wir uns in entlegene Winkel zurück.“ Falls es überhaupt einmal wieder legale Boofenfeuer geben soll, setzt dies eine vernünftige Einstellung der Besucher voraus (nebst effektiven Kontrollen). Solange wilde Feuerer machen, was sie wollen, haben wir Bergsteiger und Naturfreunde schlechte Karten.

Diejenigen, die im Juni oberhalb des Blauen Horns ihr Freudenfeuer entfachten, werden diese Zeilen hier wahrscheinlich nicht lesen. Vermutlich lesen es auch nicht die „wilden Feuerer“, die die Waldbrände verursachten. Aber vielleicht spricht es sich bis zu ihnen durch, daß es erstaunlich einfach ist, Feuernde im Wald zu finden, wenn man es darauf anlegt. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich hatte in den 1980er Jahren selbst Kontrollen durchgeführt. Es war damals nicht so teuer wie heute, und es wurde selten abgestraft. Aber die Kontrolleure waren ziemlich präsent und tauchten unberechenbar auf.

Wer glaubt, Feuer im Wald nach eigenem Gutdünken „beherrschen“ zu können, irrt. Es kommt durchaus vor, daß sich Glut nach dem „Ablöschen“ mit Sand langsam nach unten zu einer Humusschicht durchfrißt und einen der gefürchteten, sehr schwer zu bekämpfenden Bodenbrände verursacht, der erst nach Tagen hervorbrechen kann. So etwas erfährt man, wenn man einmal mit einem altgedienten Feuerwehrmann Dienst macht. Auch Funkenflug kann die gleiche Wirkung haben. Bei den fünf Boofen, in denen bis vor zwei Jahren noch legal gefeuert werden durfte, mußten wir an solche Dinge auch denken und wie man ggf. einen Waldbrand in der Nähe bekämpft.

Es ist also noch ein weiter Weg bis zur Realisierung unseres Vorschlages, in ausgewählten Boofen im Nationalpark wieder Feuer machen zu dürfen, auch wenn es nur in Wintermonaten sein soll und nur mit selbst mitgebrachtem Holz. Auch stellt sich die Frage, was linkselbisch passieren soll: Dort gilt weiterhin das Waldgesetz, also pro forma 100%iges Feuerverbot. Das müßte man wohl dann auch aufheben, wenn man innerhalb des Nationalparks an vielen Stellen Feuerplätze haben will.

Eine Gruppe ist bei diesem Artikel allerdings noch zu gut weggekommen: Das sind die Raucher. Feuerwehrleute „fürchten“ sie noch mehr als Lagerfeuer, denn herabgefallene Zigarettenglut kann ihre Arbeit in aller Ruhe verrichten, ohne daß der Verursacher das mitbekommt. Er ist längst über alle Berge, im wahrsten Sinne des Wortes. Rauchen ist „cool“, egal, ob der Boden mit Laub und trockenem Humus bedeckt ist oder nicht. Und Raucher im Wald gibt es heute leider sehr viel mehr als früher, offenbar aus einer falsch verstandenen Freiheit heraus. Nur manchmal klappt es, ein vernünftiges Wort zu sagen, und das scheint auch ab und an zu wirken. Aber ohne einige demonstrative Strafen wird es auch hier nicht besser werden.

Dr. Reinhard Wobst


[nach oben]